20. September 2014

Oh, du schöne Einmachzeit! Meine Sommerernte im Glas und mein Basic Chutneyrezept


Erst heute habe ich gelesen, dass Einkochen die neue Geisteshaltung der jetzigen Generation 30 sei. Wir die neuen Biedermeier, Neo-Spießer, oder wie wir sonst noch so bezeichnet werden. Meist sind diese Bezeichnungen nicht sonderlich positiv konotiert. Aber sei es drum.
Wir, die wir die Herkunft unserer Lebensmittel kritisch hinterfragen, und nicht blindlings alles erdulden was uns vorherige Generationen vorlebten, sind experimentierfreudig, und scheuen nicht die Mühen, wenn am Ende ein großartiges Produkt entsteht. Geisteshaltungen wie "Das kann ich doch auch im Supermarkt kaufen" schütteln wir ab, denn sind wir doch mal ehrlich: frisch & selbstgemacht ist einfach unschlagbar. Die gemeinsame Zeit, die man beim Einkochen verbringt (Obst & Gemüse waschen, putzen, schnibbeln, einkochen, abfüllen und natürlich genießen!) und die dabei entstehenden Erinnerungen fließen natürlich in die Bewertung seiner Arbeit ein. Aber so soll das ja auch sein. Oder erinnert sich noch jemand daran zurück, wie er 2012 die Stachelbeer Konfitüre bei Rewe besorgt hat? Ebend!


Ich liebe die Einmachzeit (muss ich wohl nach den vorherigen Worten nicht weiter erläutern) und in diesem Jahr ganz besonders. Zum ersten Mal habe ich mir ein eigenes Obst & Gemüse Gärtchen angelegt und bewirtschaftet. Zudem war die Obsternte in diesem Jahr gigantisch! Die beiden Kirschbäume hingen übervoll. Und da man auf dem Land immer munter die Ernten tauscht, durfte ich bei Bekannten Mirabellen und Zwetschgen ernten. Lecker :)
Dabei sind in diesem Jahr etliche Sorten an Marmeladen und Konfitüren entstanden. Bis auf Erdbeeren & Rhabarber (erstere hatte ich zwar auch im Gärtchen, aber im ersten Jahr ist die Ernte noch recht klein, und die Versuchung, sie immer sofort wegzunaschen, war meist zu groß) ist alles selbstangebaut. Ein tolles Gefühl :)


Ich mag Konfitüren und Marmeladen gerne recht "natürlich". Gewürze, Chili oder Kräuter schmecke ich lieber in einem Chutney, als jeden Morgen auf meinem Frühstücksbrot. Weshalb die Rezepte wohl wenig weltbewegend sind bzw. in allerlei Kochbüchern und Kochmagazinen beschrieben werden.
Es gab ganz klassisch Erdbeere mit einem Hauch Vanille, Johannisbeere mit Kirsche, Aprikose, Pflaumenmus (hier darf natürlich die volle Dröhnung an Weihnachtsgewürzen nicht fehlen. Mein einziges Zugeständnis an meine Geschmacksregel von oben ;) ), Rhabarber mit Vanille und Johannisbeere mit Erdbeere.
Die hübschen Etiketten sind übrigens von hier.


Weil man natürlich irgendwann feststellt, dass soviel Marmelade garnicht essen kann, kramt man die schönen alten Weckgläser aus dem Keller. Die Mutter einer Freundin wollte sie schon wegwerfen, aber zum Glück war ich zur Stelle und so kann ich jetzt auch viel Kompott einkochen :)

Kompott kann man nie genug haben. Herr Kleiber verwöhnt mich und unsere Freunde oft und gerne mit seinem fluffigen Kaiserschmarrn. Natürlich schmeckt er auch pur mit Puderzucker bereits himmlisch, aber eine ordentliche Portion Kompott, und mir ist der verregneteste Tag egal! Hachja. Deshalb gibt es hier jetzt einige Liter (!) für den Winter auf Reserve. Die vielen Kirschen wurden sowohl als fertiges Kompott (Gewürze und leicht mit Stärke eingekocht) eingemacht, als auch einfach nur die entsteinten Kirschen im eigenen Saft eingeweckt. Die sind dann ratz fatz mit Stärke zu einem Kompott gekocht, oder man hat seine Kirschen für einen Kirschkuchen bereits Zuhause :)
Dann gabs es im Spätsommer aus dem Mirabellen leckeres Kompott. Davon ist leider nur noch ein Glas übrig und ich werde das jetzt streng rationieren. ;) Und zuletzt wurden die Zwetschgen zu Kompott verkocht. Daraus lässt sich dann zu Weihnachten ein wundervolles Eis zubereiten. Das verrate ich Euch aber erst, wenn es soweit ist!


So und nun kommen wir zu den Chutneys. Normalerweise koche ich nur 3-4 Gläser, wenn ein besonderes Gericht ansteht, zu dem man gerne ein Chutney essen möchte. Das Mirabellen Chutney habe ich auch noch mit diesem Gedanken gekocht. Mango Chutney finde ich recht fad. Es lauert einfach hinter jeder Ecke als Wunder-Zutat. Jedoch sind vollaromatische Mangos wirklich schwer zu bekommen oder einfach sehr teuer. Weshalb ich lieber aus heimischen Früchten ein köstliches Chutney koche. So entstand das Mirabellen Chutney :)
Der Grund für das Grüne Tomaten Chutney ist in erster Linie kein erfreulicher: ich habe mich in diesem Jahr sehr über meine Tomaten geerntet. Sie wollten einfach nicht wachsen, dann wuchsen sie und wollten nicht rot werden und dann kam auch schon die Braunfäule. Ich hatte die Nase voll und wollte die Tomaten einfach nur weg haben, damit dafür etwas anderes wachsen kann. Deshalb wurde eine erhebliche Menge Grüne Tomaten Chutney eingekocht. Mögen sie mich so etwas milde stimmen ;)

Mein Basic Chutney Rezept findet ihr hier. Meist reichen 15-20 Minuten Kochzeit. Die harten Grünen Tomaten brauchen etwas läger. Als Gewürze verwende ich meist Senfsaat, Kreuzkümmel, Sternanis, Zimtstangen, Ingwer und etwas Curry. Bedient Euch nach dem Baukastenprinzip, denn jeder hat andere Vorlieben an Gewürzen!
Die Trockenfrüchte, wie Cranberries, Rosinen, Datteln oder Aprikosen schneide ich in kleine Stücke und koche sie mit.
Probiert es einfach einmal aus.


Ich wünsch Euch viel Freude beim Einkochen.


1 Kommentar:

  1. Bei Spießer muss ich immer an den Artikel einer lieben Freundin denken: http://kochschlampe.com/2009/04/27/ich-bin-spiesig/ Wenn das spießig ist, dann bin ich es gerne mit Freuden und finde nichts verwerfliches bei :-)
    Ich fühle mich von solchen Zeitschriften-Artikeln gar nicht angesprochen, weil ich eh nur das mache, was mir Spaß macht. Wenn jemand sich von Fix-Tüten ernähren will, bitte. Ich gebe meinem Körper lieber einigermaßen gesunde Sachen :-) Und für mich ist es fast meditativ Bohnen zu putzen oder in der Küche mich darauf konzentrieren, meine Gericht zu rühren :-)
    Dein Chutney-Grundrezept ist sehr schön. Werde ich bestimmt nachmachen :-)

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